Kann man Harnstoff als Dünger verwenden? So geht‘s

Harnstoff bzw. Urea kennt man vor allem aus der Kosmetik als Inhaltsstoff in Cremes aber auch aus der Landwirtschaft und dem Gartenbau.

Aber kann man Harnstoff als Dünger verwenden?

Hier erkläre ich dir ob und wenn ja, wie man Harnstoffdünger verwenden kann.

Harnstoff kann als Stickstoffdünger problemlos im Garten eingesetzt werden. Harnstoffdünger enthält 46% reinen Stickstoff und sorgt langfristig somit vor allem für ein besseres Pflanzenwachstum und einen höheren Ertrag sowie eine bessere Photosynthese (Blattgrünbildung).

Inhalt

Was ist Harnstoff Dünger?

Harnstoffdünger (wie dieser hier*) ist ein Langzeit-Stickstoffdünger, der einen Stickstoffgehalt von 46% hat und somit zum Düngen von Obst, Gemüse, Rasen oder anderen Pflanzen mit hohem Stickstoffbedarf eingesetzt werden kann.

Der im Harnstoffdünger* enthaltene Stickstoff trägt zur Pflanzenwachstum bei, fördert den Ertrag und regt Stoffwechsel und Blattgrünbildung der Pflanzen an.

Harnstoff Dünger enthält im Vergleich zu anderen Stickstoffdüngern in der Regel mehr Gesamtstickstoff und ist somit weitaus höher konzentriert.

Bei richtiger Anwendung kann durch Harnstoffdünger eine effektivere Wirkung als mit anderen Stickstoffdüngern erzielt werden, allerdings ist aufgrund des höheren Stickstoffgehalts auch die Gefahr der Überdüngung weitaus größer.

Da es sich bei Harnstoff Dünger um einen reinen Stickstoffdünger handelt enthält dieser keine weiteren Nährstoffe, wie zum Beispiel Kalium oder Phosphor, die in Volldüngern enthalten sind.

Harnstoff ist auch unter dem Namen Urea bekannt und neben dem Einsatz in Düngemitteln auch weiteren industriellen Produkten, wie Kosmetika oder Futtermittel verarbeitet.

Außerdem wird Harnstoff auch in AdBlue*, also dem Mittel für die Diesel-Abgasnachbehandlung für Autos, eingesetzt.

Genauer gesagt enthält AdBlue neben Wasser 32,5% reinen Harnstoff und kann somit auch zum Düngen im Garten genutzt werden.

Wenn du mehr dazu erfahren willst, also wie man mit AdBlue düngt, dann schau direkt hier vorbei.

Kann man mit Harnstoff düngen?

Harnstoff* kann sowohl in der professionellen Landwirtschaft als auch im Hausgarten zum Düngen eingesetzt werden. Bei richtiger Anwendung garantiert Harnstoff eine schnelle Stickstoffverfügbarkeit aber dennoch eine langfristige Düngewirkung.

Harnstoff kann in unterschiedlichen Formen zum Düngen eingesetzt werden. Im Allgemeinen ist Harnstoff eine rein natürliche, organische Verbindung ist, die sowohl in der Natur (zum Beispiel in Flüssigform als Teil von Urin) vorkommt aber auch als kristalliner Feststoff chemisch hergestellt werden kann.

Mit allen Arten von Harnstoff (ja, theoretisch auch mit Urin) kann der Garten gedüngt werden. Je nach Konzentration braucht man allerdings verschiedene Mengen, um eine ausreichende Düngewirkung herzustellen.

Harnstoff Dünger Inhaltsstoffe

Harnstoffdünger besteht zu 46% aus Stickstoff in Form von Amidstickstoff und enthält ansonsten keinerlei anderer Inhaltsstoffe. Somit handelt es bei Harnstoff Dünger um einen reinen Stickstoffdünger.

Amidstickstoff ist im Gegenteil zu Ammoniumstickstoff oder Nitratstickstoff nicht sofort für Pflanzen verfügbar und muss zunächst im Boden durch verschiedene Umwandlungsschritte abgebaut werden um schlussendlich als Nitrat den Pflanzen zur Verfügung zu stehen.   

Harnstoff Dünger Wirkung

Harnstoff ist ein Langzeitdünger (und zum Beispiel hier erhältlich*) und besteht zu 46% aus reinem Stickstoff, weshalb er sich bei Pflanzen vor allem auf ein gesteigertes Wachstum bzw. höhere Erträge, sowie auf eine stärkere Photosynthese und damit Blattgrünbildung auswirkt.

Aufgrund der gesteigerten Photosynthese bildet Rasen, wenn man ihn mit Harnstoff düngt, im Normalfall ein sattes und dichtes Grün aus.

Harnstoff wirkt ungefähr so ähnlich wie Gülle, das heißt der Stickstoff wird in verschiedenen Zwischenschritten zu Nitrat umgewandelt, was wiederum von den Pflanzen über die Wurzeln aufgenommen und zum Stoffwechsel bzw. Aufbau von Eiweiß verwendet wird. Durch diesen angekurbelten Stoffwechsel wachsen die Pflanzen bzw. werden die Erträge gesteigert.

Wie schnell wirkt Harnstoff als Dünger?

Je nach Bodentemperatur wirkt Harnstoff* unterschiedlich schnell: Bei einer Bodentemperatur von 20°C wirkt Harnstoff nach dem Düngen etwa innerhalb einer Woche und bei einer Bodentemperatur von 2-5°C wirkt Harnstoff nach circa 6-7 Wochen.

Die Bodentemperatur ist bei der Ausbringung und Wirkung von Harnstoff einer der wichtigsten Faktoren.

Bei einer Bodentemperatur von circa 20°C wird der Amidstickstoff im Harnstoff in Ammoniumstickstoff innerhalb von nur 24 Stunden umgewandelt. Ammonium ist bereits pflanzenverfügbar aber wird trotzdem, im Rahmen der Nitrifikation, innerhalb von etwa einer Woche weiter in Nitrat umgewandelt.

Bei einer ausreichend hohen Bodentemperatur von 20°C steht das Nitrat nach der Harnstoffdüngung als innerhalb von circa einer Woche zur Verfügung.

Bei einer geringer Bodentemperatur von circa 2-5°C dauert die Verstoffwechselung von Harnstoff etwas länger, da bei niedrigen Temperaturen die Teilchenbewegung und somit Reaktionsfreude geringer ist.

Genauer gesagt dauert Harnstoff-Hydrolyse, also die Umwandlung von Amidstickstoff zu Ammonium bei 2°C etwa 4 Tage. Daraufhin dauert es bei circa 2-5°C weitere 6 Wochen, bis durch Nitrifikation Nitrat hergestellt wird.

Somit steht nach einer Harnstoffdüngung bei Bodentemperaturen von ca. 2-5°C reines Nitrat nach 6-7 Wochen zur Verfügung.

Harnstoff Dünger Anwendung

Um die Anwendung von Harnstoff als Dünger* möglichst effizient zu gestalten, sollten bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sein:

Boden pH-Wert: bei der Anwendung von Harnstoff als Dünger sollte der Boden-pH-Wert nicht größer als 7,5 sein. Ansonsten sollte der Harnstoff nach der Anwendung in den Boden eingearbeitet werden, um Stickstoffverluste zu vermeiden

Temperatur: Harnstoff sollte für eine effektive Anwendung bzw. Verstoffwechselung bei einer Bodentemperatur von 20°C ausgebracht werden, wobei die Temperatur nicht über 25°C sein sollte

  • Witterung: Harnstoff sollte am besten bei bedecktem Himmel und vor Regen ausgebracht werden, sodass der Harnstoff idealerweise direkt in den Boden eindringt

Harnstoff Dünger einarbeiten

Seit dem 1. Februar 2020 gibt es eine neue Düngeverordnung die besagt, dass Harnstoffdünger spätestens innerhalb von vier Stunden nach dem Düngen in den Boden eingearbeitet werden muss, sodass Stickstoffverluste bzw. Ammoniak-Emissionen vermieden werden.

Obwohl diese Düngeverordnung vor allem für die Landwirtschaft gilt, sollte diese Regelung auch im Heimgarten angewendet werden. Denn vor allem wenn der Boden pH-Wert über 6,5 ist bzw. ein alkalischer Boden vorliegt, die Temperaturen über 25°C sind und Trockenheit und Wind herrscht kann es zu Stickstoffverlusten kommen.

Harnstoff sollte als auch bei der Anwendung im eigenen Garten direkt nach der Ausgabe eingearbeitet werden, da die erste Umwandlungsform von Harnstoff – das gasförmige Ammoniak – stark verlustgefährdet ist.

Obwohl du beim Ausbringen von Harnstoff also immer auf optimale Witterungsverhältnisse und Rahmenbedingungen achten solltest, sollte Harnstoff nach dem Düngen direkt mit einer Harke oder einem Rechen leicht in den Boden einarbeitest werden.

Wenn dies, zum Beispiel bei Düngen von Rasen, nicht möglich ist, solltest du nach dem Ausbringen von Harnstoffdünger den Boden mit einer Gießkanne anfeuchten.

Harnstoff Dünger Dosierung

Im heimischen Garten sollte man nicht mehr als 5-10 Gramm Harnstoff pro Quadratmeter zum Düngen verwenden. 1 kg reiner Harnstoffdünger* reicht somit aus um circa 100-200 m² Fläche zu düngen.

Die geringere Bandbreite an Harnstoff, also 5 Gramm pro Quadratmeter, sollte vor allem beim ersten Düngen mit Harnstoff verwenden werden bzw. von Gärtner:innen, die noch wenig Erfahrung mit reinen Stickstoffdüngern gemacht haben.

Die obere Bandbreite, also 10 Gramm Harnstoff pro m², kann auch beim ersten Düngen der Vegetationsphase verwendet werden, sofern bereits Erfahrung mit reinen Stickstoffdüngern bzw. im Speziellen Harnstoff gemacht wurde.

Die folgende Tabelle zeigt die Dosis Harnstoff, die für verschiedene Gartengrößen bzw. Flächen verwendet werden kann:

Größe der Fläche Menge an Harnstoff
Untere Bandbreite
(in Gramm)

Obere Bandbreite
(in Gramm)

10 m²50 100
20 m²100 200
30 m²150 300
40 m²200 400
50 m²250 500
60 m²300 600
70 m²350 700
80 m²400 800
90 m²450 900
100 m²500 1000

Wann düngt man Harnstoff?

Im Normalfall wird mit Harnstoff* im Frühjahr, entweder zu Beginn der Vegetationsperiode zwischen Februar und Mai oder bei der Aussaat gedüngt. Vor allem starkzehrendes Gemüse, wie Kartoffeln, Tomaten oder Kohl, kann während der Wachstumsphase ein- oder mehrmals nachgedüngt werden.

Die Nachdüngung mit Harnstoff kann im Laufe der Vegetationsperiode, also zwischen März und Oktober ein- oder mehrmals stattfinden.

Vor allem Rasen oder Gemüse mit einem hohen Nährstoffbedarf, wie Tomaten, Kartoffeln oder Kohl, aber auch Obst kann mit Harnstoff mehrmals gedüngt werden.

Wenn nicht nur einmal sondern auch während des Jahres nachgedüngt wird, empfiehlt sich lediglich die untere Bandbreite an Harnstoff zum Düngen zu verwenden. 

Harnstoff als Dünger für Tomaten

Tomaten

Harnstoff als reiner Stickstoffdünger eignet sich sehr gut zum Düngen von Tomaten, da diese Starkzehrer sind und somit einen hohen Nährstoff- bzw. Stickstoffbedarf haben.

Zum Düngen von Tomaten mit Harnstoff sollte man sich an die allgemein gültige Dosierung von Harnstoff halten, also zwischen 5-10 Gramm pro Quadratmeter ausgeben. Stehen also zum Beispiel im Durchschnitt 2 Tomatenpflanzen auf einem Quadratmeter, dann können diese mit 5-10 Gramm Harnstoff gedüngt werden.

Harnstoff als Dünger für Gemüse

Kohlblätter zum Mulchen

Harnstoffdünger* eignet sich im Allgemeinen für alle Gemüsesorten, welche sowohl bei der Aussaat als auch ein- oder mehrmals während der Vegetationsperiode nachgedüngt werden können.

Vor allem Starkzehrer wie beispielsweise Kartoffeln, Kohl, Brokkoli, Tomaten, Karotten oder Paprika können mehrmals im Jahr mit Harnstoff Dünger gedüngt werden.

Wenn Gemüse mehrmals pro Jahr mit Harnstoff gedüngt werden soll ist es allerdings zu empfehlen, dass häufiger aber jedes Mal etwas weniger gedüngt wird. Bei mehrmaligem Düngen mit Harnstoff solle also jede einzelne Düngung nur circa 5-7 Gramm Harnstoff pro m² enthalten.

Wusstest du, dass es noch eine ganze Reihe weiterer organischer Dünger gibt, die man ganz einfach selbst herstellen kann?

Dazu gehören zum Beispiel…

Dünger aus Bananenschalen 🡆hier erfährst du, wie man ihn herstellt

Dünger aus Kaffeesatz 🡆 hier erfährst du, wie man ihn herstellt

Dünger aus Asche 🡆 hier erfährst du, welche Asche für was gut ist

Ist Harnstoff gut für den Rasen?

Harnstoff eignet sich hervorragend als Dünger für Rasen, denn Harnstoffdünger* trägt aufgrund seines hohen Stickstoffgehalts zu einem kräftigen Wachstum von Rasen und einer starken Photosynthese bei.

Das Düngen mit Harnstoff kann somit bei Rasen vor allem zu starkem, dichtem Wuchs und saftigen, grünen Farben führen.

Vor allem wenn Rasen stark beansprucht oder vertikutiert wurde, eignet sich Harnstoff als günstiger Ersatz für speziellen Rasendünger.

Harnstoff Dünger Verbot

Seit dem 1. Februar 2020 gilt in Deutschland eine neue Düngeverordnung die das Ziel hat Ammoniak-Emissionen zu reduzieren. Diese Verordnung beinhaltet allerdings kein Harnstoffdünger Verbot, sondern besagt, dass Harnstoff innerhalb von vier Stunden nach dem Düngen in den Boden eingearbeitet werden muss, um die Ammoniak-Verluste möglichst gering zu halten.

Sollte der Dünger zum Beispiel aufgrund von gefrorenem Boden nicht eingearbeitet werden können, muss mit dem Harnstoff Dünger zusammen ein Ureasehemmstoff eingesetzt werden.

Dieser Ureasehemstoff sorgt dafür, dass der Harnstoff (lateinischer Name: Urea) zwei bis drei Wochen langsamer in Ammoniak umgewandelt wird und somit mehr Zeit hat in tieferliegende Bodenschichten vorzudringen.

Ein Harnstoffdünger Verbot gibt es somit nicht, allerdings mehr Einschränkungen bei der Anwendung von Harnstoff in der Landwirtschaft.

Obwohl Hobbygärtner:innen weitaus weniger Harnstoff im heimischen Garten verwenden, sollte auch sie sich an die Regelungen halten und Harnstoff nach dem Düngen am besten direkt in den Boden leicht einarbeiten.

Da es sich im Heimgarten um weitaus kleinere Flächen handelt als in der Landwirtschaft, sollte dies kein Problem sein.

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